Wie die letzten Tage auch startete der Morgen recht frostig (um die 15 °C 🥶) aber dafür mit schönen Blick auf die Landschaft. 

 

Es folgte etwa wieder bei der Hälfte der Strecke das Frühstück. Ein letzter Happen in Portugal. 

Danach ging es sehr schnell der Grenze zu. In Valença trifft der Küstenweg des Caminos auf den traditionellen Weg womit die Pilgerdichte steigt. Die Stadt bietet ein schon aus der Ferne sichtbares Bollwerk gegen mögliche spanische Konquistadores. 

Mögliche Aggressoren werden von Rasentrimmern abgeschreckt. 

Von dort aus konnte man bereits das spanische Pendant ausmachen.

Unmittelbar dahinter folgt die Brücke die beide Länder über den Rio Miño verbindet. 

Dieser Übergang hatte 3 wichtigen Folgen :

  1. Der Wechsel der Zeitzone. Portugal ist eine Stunde hinterher zu Deutschland und Spanien.
  2. Es kommt vermehrt dazu, dass Restaurants am Nachmittag zu haben. 
  3. Ab jetzt wird spanisch gesprochen. 

Da ich nun mein Portugiesisch, das ich mir angeeignet habe auf dem Weg, nicht mehr brauche, kann ich dies nun alles wieder vergessen. 

  • Guten Tag = Bom Dia
  • Danke = Obrigado

Gestrichen!

Von spanischer Seite, also in der Stadt Tui, konnte ich noch einen letzten Blick zurück werfen. 

An der Herberge angekommen (heute ist es ein ehemaliges Kloster das 700 Jahre alt ist) verbrachte ich dort einiges an Zeit und ignorierte Änderung #2. Als ich mich dann aufraffte um etwas zu essen gehen hatten die Küchen oder sogar das jeweilige gesamte Restaurant Siesta. Einzige Möglichkeit die blieb waren wie so oft die Bäckereien. Ich hatte aber keine Lust schon wieder was Süßes zu essen, aber zum Glück fand ich etwas herzhaftes. 

Es waren dieses Mal 26,2 km am Ende.

Ich hab gestern noch einen Flug zurück gebucht für den 08.09., also Dienstag, um 17:45. Voraussichtlich komme ich am 07.09. in Santiago an. Ich war noch am Überlegen einen Abstecher nach Fisterra zu machen, aber da wäre ich nur am rumfahren und das wäre sehr unentspannt. Ich werde also die Zwischenzeit in der Stadt verbringen.

Morgen wird es nochmal spannend. Ich habe kein Bett reserviert, weil dies nicht geht, aber im Normalfall sollte ich früh genug bei der Herberge ankommen.

Frühs ging es los bei besten Wetter.

Nach ein paar Kilometern traf ich dann wieder auf T, auf folgenden Bild zu sehen. 

Wir sind dann eine weite Strecke zusammen gelaufen. Dabei trafen wir unterwegs diesen Kamerad, keine Ahnung wie der mitten auf einen Waldweg kam. 

Es folgte bei Kilometer 15 dann ein gemeinsames Frühstück mit einer sehr netten Gesellschaft 🙂 

Wir gingen weiter aber nach kurzer Zeit wurde es zunehmend steiler und ich wurde langsamer, entsprechend lies ich mich zurückfallen. Der Anstieg hielt sehr, sehr lange an 😮‍💨 

Nach einer gefühlten Ewigkeit kam ich dann endlich oben an. 

Oben an der Spitze wartete dann aber auch ein kleiner Stand mit Getränken auf einen. Alle denen ich beim Aufstieg begnetete trudelten peu a peu ein. Alle waren sehr erleichtert 😌 

Danach ging es nur noch bergab zur Herberge. Mein Zähler zeigte mir am Ende 28,2 km an. Bei den ganzen Höhenmetern war das auch vollkommen ausreichend.

Morgen vereinen sich der (normale) Küstenweg und der traditionelle Weg wieder zu einen und direkt danach folgt der Grenzübertritt nach Spanien. Olé!

Ich habe gerade die kommenden Tage geprüft. Anscheinend beginnt der Reservierungswahnsinn bereits früher als gedacht. Ich musste jetzt den kompletten Plan verwerfen und neu strukturieren. Ich hab jetzt alle Unterkünfte bis vor Santiago gebucht mit Ausnahme von übermorgen. Dort ist eine Reservierung nicht möglich. Das bedeutet ich muss frühzeitig dort sein. Zum Glück sind es an dem Tag dann nur 20,5 km.

Für Santiago habe ich noch nicht gebucht weil ich noch grübele ob ich überhaupt dort übernachte. Ich bin verschiedene Optionen durch gegangen wie ich nach Hause komme, keine gefällt mir 😕 

Nachtrag : da die gestrige Herberge auf Spendenbasis war, war sie entsprechend voll. Daher hatte ich Oropax im Einsatz was ich nur äußerst ungern mache, da ich den Druck aufs Ohr als schmerzlich wahrnehme.

Frühs ging es daher auch zeitiger los bei einer angenehmen Kühle.

Ich konnte mich nicht entscheiden welches Bild besser ist, deshalb beide 😅 

Auf dem Weg wanderte ich unter anderem auf einen gelben Ziegelsteinweg. Ein wenig kam ich mir vor wie Alice und achtete darauf nicht die Hacken meiner Sandalen zusammen zu schlagen. 

Bei rund 12 km kam dann der erster Bäckereibesuch zum Frühstück. 

Später folgten auch noch ein paar süße Tiere am Wegesrand 😃 

Landschaftlich blieb es sehr ansehnlich. 

Das Laufen funktioniert mittlerweile sehr gut. Ich kam wieder gegen 13 Uhr an der Unterkunft an, Einlass war wieder ab 14 Uhr. Hier gibt es 2 Zimmer mit je 2 Betten und wir sind nur zu zweit, also ein Zimmer für mich allein 😃. Generell war diese überaus Schmuck. 

Aus irgendeinen Grund hatte das lokale Restaurant zu, daher wurde mir empfohlen im Dorfladen einkaufen zu gehen. Auf dem Weg dorthin lag noch eine Bäckerei, somit Besuch #2. 

Beim Dorfladen dann angekommen musste ich feststellen, dass auch dieser zu hat, also wieder zurück und Bäckereibesuch #3 und was zum Essen mitgenommen.

Wieder in der Unterkunft wartete ein relaxter Stuhl und knuffiger Hund auf mich sowie ein sehr entspannter Abend 😌, das ist so ziemlich das komplette Gegenteil zu gestern. 

Brutto waren es jetzt 33,2 km.

Der Plan den ich gestern aufgestellt habe musste bereits minimal verändert werden, aber nicht gravierend. Morgen wird es dadurch etwas weniger.

Nachtrag : die 3 Stettiner waren nach meiner Interpretation eine Familie, Mutti mit ihren beiden Söhnen.
Mutti war sehr fleißig. Ab 22 Uhr ist sie Bäume fällen gegangen die ganze Nacht hindurch. Wenn ich richtig mitgezählt habe wurde eine Fläche in etwa vom halben Tiergarten gerodet.🫩 
Zum Glück gehen sie weiter den Küstenweg. Die Söhne werden sich sicherlich währenddessen selbst zur Adoption freigeben, zumindest wünsche ich mir das, denn die andere Option wäre etwas grausam. 

Immerhin war ich so früh wach und startete somit vor 7. Um zur traditionellen Route zu kommen gibt es 3 Wegvorschläge, ich wählte den dritten, denn

  • er ist der kürzeste (wenn auch nur minimal) 
  • meine Unterkunft lag bereits in der Richtung
  • es ist der unbekannteste und somit am wenigsten frequentierte
  • am wichtigsten der Eigenname dieser Variante ist Programm : Aquäduktweg 🙂

Er war zwar auch der am schlechtesten gekennzeichnete laut Guide, aber dank Google Maps war das kein Problem. 

Da es sich zum Teil auch um Wald- und Feldwege handelte taten sich auch große Pfützen auf bei denen man in Mission Impossible Manier sich an der Wand entlang hangeln musste um trockenen Fußes das andere Ufer zu erreichen. 

Das alles half aber nichts denn es folgten Abschnitte mit Gras und Morgentau wobei das sogar ein wenig angenehm war. 😅 

In Rates traf ich dann wieder auf den Hauptweg und nach einen kleinen Happen ging es regulär weiter. 

Allmählich wurde es wieder schöner und ich passierte die 200 km Markierung. Somit habe ich nun über 2/3 des Weges hinter mir bzw. weniger als 1/3 vor mir. 

Barcelos selbst kann auch mit einem schönen Stadtbild brillieren, so mancher CDU Politiker dürfte da höchst erregt sein. 

Die Unterkunft ist auf Spendenbasis. Man hätte gar nicht reservieren können und somit war auch alles okay. Immerhin war ich auch der erste vor Ort um 13:00. Einlass war ab 14:00.

Ich möchte nicht kleinlich sein, aber könnte ich eine Spende gezielt in die Restaurierung der Fenster abgeben. Mein innerer Monk dreht gerade frei bei diesen Anblick. 

Das Essen heute war hervorragend, ich würde sogar soweit gehen und sagen das beste bislang auf dem Weg. 😋 

Generell sehr zu empfehlen der Laden, falls ihr also mal in Barcelos sein solltet : Benedito Brunch & Restaurante

Brutto waren es heute 33,3 km. Ich hab jetzt auch eine vorläufige Planung für den Rest des Weges. Ob alles so kommt 🤷 

Etwas später als üblich startete ich heute morgen mit Merle und es ging weiter am Wasser entlang auf dem Küstenweg. 

Dort waren bereits zu früher Stunde etliche Surfer im Wasser. 

Entlang des gesamten Weges sahen wir zahlreiche andere Pilger. Sprich es wird voll auf dem Weg. 

Der Weg verlief zum Großteil geradlinig und eben über Holzplanken. Das war sehr angenehm zum Laufen vor allem mit der frischen Meeresbriese. Zugegeben manchmal mussten wir durch den Sand. Spaßig fand ich eine Stelle an der ein kurzer Abschnitt fehlte und eine Schaukel etwas an Sinn verlor 😅 

Auch hier zeigte sich die römische Geschichte verankert. 

Kurz vor Vila do Conde trafen wir noch Laura aus Köln und Ronald aus den Niederlanden. 

Wir liefen unmittelbar zusammen und machten dann auch zu viert eine gemeinsame Pause. Wie sich heraus stellte möchte Laura wie Merle auch den Küstenweg laufen und im selben Ort heute schlafen. Ich möchte jedoch hier zum traditionellen Weg wechseln. Die nächste Übernachtungsmöglichkeit wäre aber ein gutes Stück entfernt. Daher schlafe ich heute in Vila do Conde und unsere Wege trennten sich (😔) und es fand ein fliegender Wechsel statt. 🙂 

Also auf zur Unterkunft ohne Reservierung, ist ja noch alles entspannt hier... oder? ö.ö

Es kam wie es kommen musste und die Herberge war ausgebucht 🙈 aber ich wurde direkt an eine andere Unterkunft verwiesen in 1 Minute Entfernung und hier kam ich dann ohne Probleme unter. Anfangs hatte ich das Zimmer für mich allein, aber dann kamen noch 3 Pilger aus Stettin. 

Abends gab es dann noch lecker Essen 😋 

Brutto waren es 29,3 km. Den Beinen geht es gut, aber morgen wird es ein gutes Stück mehr. Hier auch schon mal ein Spoiler. 

Bislang hatte ich Santiago, einen Pilger aus Spanien, noch gar nicht erwähnt. Ihn hatte ich die letzten Tage auch immer wieder gesehen. Heute morgen startete er und T wie üblich vor mir. Ich folgte ihnen aber zeitnah. 

Kurz vor Porto wurde der Weg wieder äußerst abenteuerlich weshalb ich mit meinen Sandalen nur sehr langsam voran kam. Ich muss beide überholt haben ohne es mitzubekommen, schließlich überholten beiden mich in diesem Abschnitt. 

Danach kehrte die Zivilisation zurück und man sah die ersten Vororte von Porto (im Bild zu sehen Santiago) 

Da es doch nochmal begann zu nieseln wurde es Zeit für eine erste Pause. 

Anschließend ging es weiter Richtung Kathedrale. 

Dort angekommen suchte ich dann das Pilgerbüro um mir einen Stempel zu holen. Selbstverständlich gab es dort dann eine Traube von deutschen Pilgern. Willkommen zurück! 

Eigentlich war mein ursprünglicher Plan dort dann eine Pause zu machen, aber ich ging lieber weiter runter zum Fluss. Am Ufer angekommen brauchte ich dann nur noch eben jenen zu folgen.

Unterwegs wurde ich dann von einer Pilgerin gefragt wie der weitere Weg verläuft. Daraus entwickelte sich ein sehr erfrischendes Gespräch und da unsere Wege identisch waren wanderten wir zu zweit weiter.

Auf dem Weg sahen wir zahlreiche andere Pilger - willkommen auf dem Hauptweg. 

In Matosinhos gönnten Merle und ich uns an der Strandbar erstmal ein Getränk und wir beschlossen nicht weiter zu laufen sondern suchten uns dort eine Unterkunft (es wurde ein Surferhostel) und anschließend etwas zu essen. 

Brutto waren es am Ende 32,3 km. 

Alles in allem ein echt schöner Tag. Das Wetter spielte am Ende mit und vor allem die sehr angenehme Unterhaltung mit Merle hat gut getan insbesondere nach den eher unschönen Abschnitten der vergangenen Tage 🤗